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Alt 04.10.2014, 20:20
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Al Al ist offline
MTB-Papst
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Jetzt nehme ich mir mal Zeit und schreibe ein paar Zeilen zu unserer Tour. Erstens um zusätzliche Informationen Kund zu tun und zum Zweiten auch für mich, damit ich selbst mal nachschauen kann. Man wird ja vergesslich...
Immer wieder las ich Berichte von den Westalpen, dem Ligurischen Grenzkamm, einsamen Gegenden, sah beeindruckende Bilder und war völlig fasziniert. Abstand so etwas selbst zu unternehmen, nahm ich eigentlich nur, weil mir die Hin- und Rückfahrt unmöglich, bzw. viel zu kompliziert erschien. Irgendwann erwähnte ich mal die Westalpen in einem "Vorgespräch" zur kommenden Alpenüberquerung bei meinem Bikekumpel Frank.
Monate später, völlig unerwartet, schickte er mir plötzlich die Buchungsbestätigung für einen Flug von München nach Turin und zurück. Er hatte in den bekannten GPS-Foren nach Touren gesucht und eine "Rundreise" gefunden, welche man gut von Turin aus hätte starten können. Etwas überrumpelt und fragend schaute ich aus der Wäsche (wir telefonieren nur, oder haben per Mail Kontakt), aber RUNDREISE? Nööö, geht gar nicht!!! Wenn schon Westalpen, dann bitte von Nord nach Süd und bis zum Meer. Aber Hallo!!!
Also, dann doch noch mal schnell telefoniert und nach Alternativen geschaut. Dabei dann die Route Susa-Ventimiglia gefunden. Quasi der "Klassiker", wurde zumindest schon mehrfach so gefahren und GPS-Daten findet man auch. Dann nach Rückreisemöglichkeiten von Ventimiglia nach Turin gesucht. Dabei ist mein Kumpel dann irgendwie auf den Flughafen in Nizza gestoßen. Gebongt - gebucht - Grunddaten standen somit fest! Turin-Nizza als Start- Zielort, das Zeitfenster war klar und nun ging es "nur" noch um die einzelnen Etappen und die Übernachtungsmöglichkeiten herauszufinden.
Unsere (bis jetzt) bewährte Vorgehensweise:
Zuerst eine Wunsch-Route heraussuchen, dann nach Übernachtungsmöglichkeiten auf der Route schauen. Wir machen das meist mit Booking.com, weil man da auch gleich die Lage der Ünterkünfte auf der Karte sieht und evtl. Alternativen in der Nähe finden kann. Wenn es keine freien Zimmer gibt, dann wird die Strecke umgeplant. Wir haben alle Übernachtungen im Voraus gebucht. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Die für uns größten Vorteile sind a) keine lange Zimmersuche nach 10-14 Stunden Radelfahren, b) ein gewisser "Zwang" auch bei z.B. schlechtem Wetter die Etappe zu bewältigen. Nachteil ist, wenn irgend etwas schief läuft (Verletzung, irreparable Panne...) man teilweise Stornogebühren hat, oder manche Buchungen Vorkasse verlangen. Zudem sind natürlich nicht alle Übernachtungsmöglichkeiten bei Booking.com aufgeführt. Vor allem einfache, günstige Zimmer wären vielfach auch noch direkt vor Ort zu finden, aber wie gesagt ist uns das Risiko kein Zimmer zu finden, oder noch mal ein paar hundert Höhenmeter zusätzlich zu fahren (hatten wir schon), einfach zu doof.

Ach so, vielleicht noch folgendes. Bei Flugreisen nahmen wir bis jetzt (Sardinien, Teneriffa) immer unsere eigenen Räder im Flieger mit. Ohne speziellen Bikekoffer, nur mit Pappe geschützt, Pedale ab und Lenker verdreht. Manchmal noch (beim Hinflug) das Schaltwerk und die Scheibenbremsen demontiert. Immer mehr Fluglinien lassen diese Möglichkeit zu, ich weiß es von Air Berlin und Lufthansa mit sämtlichen "Untergesellschaften". Somit stellt sich nicht mehr die Frage, wohin mit dem rießigen Bikekoffer! Bislang sind unsere Bikes immer nahezu unversehrt angekommen, obwohl sehr unsanft damit Umgegangen wird. Siehe Video Westalpencross 2014 ab 1:15 :-(
Ach so, noch was...der Flug hat uns hin und rück zusammen nur 210 € pro Nase gekostet. Dadurch dass wir die Rücksäcke ins Handgepäck nahmen, liefen die Räder als normales Gepäck und haben nichts gekostet! Normalerweise wären pro Rad und Flug 50€ fällig geworden. Das als Tip!


Genug gefaselt...

1. Tag
Los ging es für uns am 09.08.2014 vom Münchner Flughafen um 11:00 Uhr. Vorbildlicher Umgang mit den Rädern.


Nach ca. 1 Stunde Flug sind wir in Turin gelandet. Gute 70 Kilometer wären es zu unserer ersten Unterkuft in Arnodera/Susa gewesen. Zu weit für diese Uhrzeit, also sind wir nur 22 km nach Alpignano zum Bahnhof geradelt und dann mit dem Zug weiter bis Susa. Dort das kleine Altstädtchen angeschaut, Proviant gekauft und dann zu unserem Übernachtungsort in Alpignano, B&B Scotty & Co weitergefahren.






2. Tag
Am nächsten Tag, Himmel leicht bedeckt aber recht warm, ging es los.
Blick auf Arnodera:


Erst mal gut 1900 hm am Stück auf den Colle dell´Assietta. Anfangs noch erträgliche Steigung auf Asphalt, später dann steiler und Schotter. Wir haben recht viel geschoben, nicht nur weil Frank, mein Bikekumpel, gut für Proviant gesorgt hatte und jeder zusätzlich drei Dosen Lebenssaft plus Vesperstulle zu schleppen hatte...






Caserna Gran Serin




Am Colle dell´Assietta


Abzweig von der Schotterstrasse auf den Wanderweg "Strada dei Cannoni", es beginnt ein gut fahrbarer Trail.


Kurz vor Sauze d´Oulx unser Hotel "Le Torre" (günstigste Unterkunft der gesamten Tour)


Heute insgesamt 35 km und 2076 hm Aufstieg, 1280 hm Abstieg.

3. Tag
Start in Sauze d´Oulx mit dem Lift. Das war übrigens der einzigste, in Betrieb befindliche Lift der ganzen Tour. Der Lift bleibt zwar häufig stehen und es beginnt zu regnen, aber wir wollen nicht meckern und lassen uns gut 750 hm hochschaukeln.


Unser Ziel ist der Colle Basset, den wir nach weiteren 300 hm erreichen. Auch der Regen lässt nach und die Sonne blinzelt immer wieder durch die Wolken.






Endlich die Abfahrt. Ein super Trail, welcher immer wieder die Schotterstrasse quert. Wir sind ohne Anstrengung schneller als die ganzen Moppeds und Geländewägen




Da wir relativ früh an unserem Etappenziel angekommen sind, haben wir noch eine Extrarunde gedreht. So kamen wir dann auf insgesamt 38 km, nur 850 hm Aufstieg und knapp 1600 hm Abstieg.
Im Hotel.


4. Tag
Bestes Wetter, Start der Tour mit einem Trail, welchen wir Tags zuvor auf der "Extrarunde" entdeckt hatten, dann ein kurzes Stück Asphalt und danach eine ewige Schotterpiste durchs Valle del Thures.






Wer hat eigentlich diese Zeichen hinterlassen?


Das letzte Stück zum Bivaco Andrea kürzen wir tragenderweiße ab


Das kleine Bivaco ist immer offen, es stehen sechs Schlafmöglichkeiten zur Verfügung, es gibt Geschirr, Kerzen und sogar eine Schachtel Gauloises liegt bereit...wir können widerstehen. Aber eine Nacht in der Hütte hätte schon was...


Vom Bivaco bis hoch zum Colle di Thures sind es knapp 300 hm, welche geschoben/getragen werden müssen.




Oben am Colle (2800 hm) hat man, sofern das Wetter mitspielt, eine schöne Aussicht zurück nach Italien, bzw. voraus Richtung Frankreich






Die Abfahrt ist Anfangs nicht flüssig fahrbar. Der teils ausgewaschene, schmale Pfad und die engen Kehren verlangen hohe Fahrkünste. Das legt sich später und man kommt voll auf seine Kosten.


Blick zurück zum Colle


Ankunft im Hotel "La Ptite Auberge" in Aiguilles


Tagesleistung: 35 km, 1425 hm Aufstieg und 1500 hm Abstieg.
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--Touren am Monte Grappa --------- meine Filmchens
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